Sisi von Österreich

Kaiserin Elisabeth's Schönheitszwang; Köperkult und Magersucht

Zu ihrer Zeit galt Sisi als eine der schönsten Frauen überhaupt. Doch dies war zunächst weniger auf ihre natürliche Schönheit zurückzuführen als vielmehr auf einen lebenslang zelebrierten und gelebten Schönheitswahn.

Sisi widmete sich keinem Bereich ihres Lebens so sehr wie der Pflege ihres eigenen Körpers. Allein die Pflege ihrer Haare, die ihr fast bis zu den Fersen reichten, nahm täglich mehrere Stunden in Anspruch. Um schlank zu bleiben, hielt sie ihr Leben lang streng Diät und betrieb jeden Tag mehrere Stunden Sport: Reiten, Fechten, Wandern und Gymnastik sollten ihren Körper schlank und fit halten. Bei einer Größe von 172 cm wog sie nur etwa 45 Kilogramm, ihre Taile schnürte sie mit Hilfe von Korsetts auf 50 cm zusammen. Man geht heute davon aus, dass Sisi an einer Art der Anorexia Nervosa (Magersucht) litt. Ab ihrem 31. Lebensjahr ließ sie sich nicht mehr ohne Fächer vor dem Gesicht fotografieren – sie wollte den Menschen als die ewig junge Kaiserin in Erinnerung bleiben.

Das „Sisi-Syndrom”

Sisi schien alles zu haben – immerhin war sie die Kaiserin von Österreich, die Königin von Ungarn, die Mutter von vier Kindern, die Ehefrau eines Mannes, der sie vergötterte. Sie konnte tun und lassen, was sie wollte, reisen wann und wohin es ihr gefiel. Darüber hinaus war sie schön und beliebt. Und doch litt sie zeitlebens an schweren Depressionen. Mediziner nennen dieses Phänomen heute das “Sisi-Syndrom” - es ist eine besondere Ausprägung der Depression, bei der sich der Betroffene nicht zurückzieht und eine klassische, depressive Haltung einnimmt, sondern vielmehr das Gegenteil an den Tag legt: anstatt sich hängen zu lassen, ist er umso aktiver und wird von einer schier unendlichen Ruhelosigkeit angetrieben. Von außen scheinen solche Menschen vor Energie zu strotzen, sie sind ehrgeizig, oft beruflich erfolgreich, haben ein makelloses Erscheinungsbild und werden nicht selten von anderen bewundert und beneidet. Dennoch können sie sich nicht an ihrem Leben freuen. Sie fühlen sich hilflos und leer, sind ständig auf der Flucht und deshalb übermäßig aktiv.

Genau so wie Sisi es war. Ihr übertriebener Körperkult und ihr Schönheitswahn waren nur ein Bereich, an dem sich ihr psychisches Leiden manifestierte. Sisis Ruhelosigkeit zeigte sich auch an ihrem unermüdlichen Drang, zu reisen. Das Leben der jungen Sisi war ein bewegtes.

Tragischer Tod einer rastlosen Seele

Je älter Kaiserin Elisabeth wurde, desto ruheloser und rastloser wurde sie und desto mehr reiste sie. Auf Korfu (Griechenland) ließ sie einen prunkvollen kleinen Renaissance-Palast errichten, das sogenannte “Archilleon”. Sie war von der Welt des antiken Griechenlands fasziniert und es schien, als würde sie auf Korfu so etwas wie eine zweite Heimat gefunden haben. Doch es hielt sie auch dort nicht lange.

Als sich 1889 ihr Sohn, Kronprinz Rudolph, das Leben nahm, verfiel Elisabeth in eine tiefe Depression. Sie gab sich die Hauptschuld an Rudolphs Selbstmord beschäftigte sich fortan viel mit dem Tod. Sie trug nur noch schwarze Kleidung und wünschte sich ihren eigenen Tod herbei.

Ermordung der Kaiserin

Am 10. September 1898 wurde ihre Todessehnsucht schließlich gestillt; der Anarchisten Luigi Lucheni überwältigte sie und stieß der 60-jährigen Kaiserin eine Feile in den Brustkorb. Sie sank zu Boden, stand aber sofort wieder auf und ging noch aus eigener Kraft an Bord ihres Schiffes, das sich in der Nähe befand. Dort brach sie dann bewusstlos zusammen. Augenzeugen berichteten, dass sie sich noch einmal aufgerichtet und gefragt habe „was ist denn jetzt mit mir geschehen?” bevor sie schließlich ihrer tödlichen Verletzung erlag.

Sisis Mörder

Elisabeths Mörder war geflüchtet, konnte aber kurz nach dem Attentat gefasst werden. Er hatte nach eigener Aussage eigentlich den Prinzen von Orléans ermorden wollen; dieser hatte aber seine Reisepläne kurzfristig geändert. Als Lucheni erfuhr, dass Kaiserin Elisabeth inkognito als „Gräfin von Hohenembs” im Hotel „Beau Rivage” nächtigte, beschloss er, ihr anstatt des Prinzen aufzulauern. Mit dem Attentat wollte er nichts anderes als Aufmerksamkeit erreichen. Für den Mord an Elisabeth wurde er zu einer lebenslangen Haftstrafe im Kerker verurteilt, wo er zwölf Jahre später Selbstmord begann.

Die Nachricht von Sisis Ermordung versetzte tausende Menschen in ganz Europa in tiefe Trauer und Betroffenheit. Als Kaiser Franz Joseph vom Tod seiner Frau erfuhr, soll er nur gesagt haben: „Sie wissen nicht, wie ich diese Frau geliebt habe.”

Franz Joseph hatte sich an die ständige Abwesenheit seiner Frau gewohnt gehabt. Er hatte ihren Lebensstil akzeptiert und sich über jeden ihrer seltenen Besuche in der Heimat gefreut. Seine Bekanntschaft mit der Schauspielerin Katharina Schratt (1853 bis 1940), die zur Ansprechpartnerin und Vertrauensperson des Kaisers wurde, hatte Sisi befürwortet. Egal wo Elisabeth auch war, sie war stets in Briefkontakt mir ihrem Mann, der sich stets um ihre Gesundheit und ihre Sicherheit sorgte.

Am 17. September 1898 wurde die Kaiserin in der Kapuzinergruft im Rahmen einer feierlichen Trauerfeier in Wien beigesetzt.

Der Mythos lebt weiter

Der Mythos von der ewig jungen, unendlichen schönen Kaiserin hat bis heute überlebt und seit ihrem Tod – und schon lange vorher – hunderttausende Menschen in ihren Bann gezogen. In Österreich und auch anderen Ländern hat man viele Straßen und Plätze nach ihr benannt. Im österreichischen Salzburg, von dem die Sommerresidenz des Kaiserpaars in Bad Ischl nicht weit entfernt ist, wurde sogar ein ganzer Stadtteil ihr zu Ehren umbenannt. Auch in München findet man eine Elisabeth-Straße, einen Elisabeth-Platz und einen Elisabeth-Markt, alle in Andenken an Sisi benannt. Im ungarischen Budapest tragen eine Brücke, ein Platz, ein Stadtteil, ein Aussichtsturm und ein Abschnitt der Ringstraße ihren Namen.

Im Sisi-Museum in Wien wird vor allem das private Leben der Kaiserin gezeigt, ihr Auftreten als Mutter, als Dichterin und als Reisende. Auch in ihrem Heimatort Possenhofen in Bayern hat man ein kleines Sisi-Museum errichtet.


 

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