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Bereits im Mittelalter haben die Menschen versucht, über die Ernährung und ihre Essgewohnheiten Einfluss auf Körper und allen voran die Seele zu nehmen. Aus dem 9. Jahrhundert stammt die erste dokumentierte Beschreibung einer außergewöhnlichen „Fastenkur“ in Deutschland. Wegen ihrer Fressanfälle ging die Bäuerin Friderada von Treuchtlingen in ein Kloster und begann dort zu fasten. Nach drei Jahren wurde das Wunder ausgerufen, dass sie immer noch nichts gegessen hatte. Anders als heute galt Fasten im Mittelalter aber nicht primär der Gewichtsreduktion, sondern war vielmehr ein Versuch junger Frauen sich zu reinigen und Buße zu tun um moralische Kraft zu erlangen, Gott zu gefallen und an seiner Allmächtigkeit teil zu haben. Die Geschichte der Katharina von Siena aus dem 14. Jahrhundert schildert noch eindrucksvoller, welche Gedanken damals hinter dem gestörten Essverhalten standen. Bereits mit 7 Jahren aß sie kein Fleisch mehr und entsagte sich irdischen Gelüsten, mit 15 Jahren hörte sie komplett auf normal zu essen. Sie ernährte sich lediglich von Brot, Kräutern und Wasser. Neben ihrer asketischen Lebensweise bestimmten Gebete, Geißelung und Entbehrungen ihren Alltag.

Mittelalter: Seit wann es die Magersucht gibt, weiss man nicht genau. Schon im Mittelalter kannte man diese Krankheit. Zu dieser Zeit hatte die Magersucht noch keinen Namen, aber die Symptome stimmen mit der heutigen Forschungsergebnisse überein.
Die darunter leidenden Frauen wurden als Hexen verbannt, da die Männer glaubten, die Betroffene wurde vom Teufel besessen. Eigentlich ist das ganz plausibel, da Hexen oft, wie viele Magersüchtige, hysterisch oder ein Opfer einer Selbsttäuschung (wie z. B. die Kontrolle über einen menschlichen Körper zu haben) sind.

1669: Die erste allgemeine Erkennung dieser Krankheit machte der englische Arzt Richard Morton. Er schrieb eine Abhandlung über Schwindsucht. Magersucht wurde als eine „nervöse Schwindsucht“ mit Symptome wie Verstopfung, Hyperaktivität, extreme Abmagerung, Gleichgültigkeit gegenüber der Krankheit usw. bezeichnet. Wegen diesen Symptome weis man heutzutage genau, dass es sich bei „nervöser Schwindsucht“ um Magersucht handelte.

1789: Der französische Arzt J. Naudeau schrieb eine längere Beschreibung einer magersüchtigen Patientin bis zum Tod. In diesem Bericht sollte die Mutter von der Patientin Einfluss auf den Tod ihrer Tochter gehabt haben.

18. und 19. Jhdt: Weitere „nervöse Schwindsuchtfälle“ aus den westlichen Ländern Jahrhundert wurden beschrieben, aber die Krankheit war selten. Der Grund für diese Seltenheit war, dass man die Magersucht mit Tuberkulose verwechselte. Das heisst, man glaubte, sie litten unter Tuberkulose, mit der Erklärung, dass sie schlechte soziale Lebensbedingungen hatten. Aber in Wirklichkeit litten sie an Essstörungen.

1873: E. C. Lasegues veröffentlichte einen Bericht zur hysterischen Anorexie. Dieser Bericht sagte aus, dass die Krankheit aus emotionalen Störungen bestand. Er teilte sie in drei Teilen auf: der erste Teil bestand aus Störungen des Verdauungssystems, sowie eine verminderte Nahrungsaufnahme. Der zweite Teil ist, dass die Magersüchtige mit Gedanken an der Abmagerung ihres Körpers besessen war. Der letzte Teil ist, dass sie unter Verstopfung und mangelnder Elastität der Haut litt und sich in einem Zustand mit Depression und Hyperaktivität befand.

1874: William Gull aus England legte eine Abhandlung über Magersucht dar. Ein Jahr zuvor hielt er viele Vorlesungen, in denen er die Krankheit als „hysterische Apepsie“ bezeichnete. Von nun an wollte er, dass man Anorexie und Hysterie nicht mehr verwechselt werden. Er schrieb, die Krankheit sei aus psychopathologischen Gründe zurückzuführen. Er führte auch besondere Symptome wie Abmagerung, Verdauungsprobleme, verlangsamte Atmung, eine auffallende Überaktivität, Essensverweigerungsphasen und zwanghafte Essensphasen auf.
Der Name "Aneroxia nervosa" (Magersucht) stammt von William Gull.

1875: Der amerikanische Arzt Azell Ames behauptete, dass Schwindsucht die Folge von einer Störung der menstruellen Vorgänge sei, doch heute gilt Amenorrhoe als Folge und nicht als Ursache von Magersucht.

1969: Peter Dally, ein englischer Arzt, schrieb eine Monografie über Magersucht. Er beschrieb die Ergebnisse seiner Arbeit mit Magersüchtigen. Er teilte die Magersüchtigen in drei Gruppen auf: „zwanghafte“, „hysterische“ und mit gemischter Ätiologie*. Der hysterische Typ ist, wenn es jemand unmöglich ist zu essen, und der zwanghafte, wenn man noch hungrig ist, aber aus Abscheu gegenüber nicht isst.


Heute ist das anders. Längst wissen wir, dass es kein Wunder ist, ohne essen zu leben sondern eine Störung. Und obwohl der Trend eindeutig für einen Zuwachs an Neuerkrankungen spricht, sind Essstörungen auch weiterhin ein gesellschaftliches Problem, dem zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Bis Anfang der Achtzigerjahre wurde die Anorexia nervosa in der Öffentlichkeit kaum beachtet. Erst als die Popmusikerin Karen Anne Carpenter am 4. Februar 1983 knapp vor ihrem 23. Geburtstag an den Folgen einer Anorexie starb, begannen die Medien über Schlankheitswahn und Magersucht zu berichten. Um schlechte Vorbilder zu vermeiden, durften zu dünne Models bei der Modewoche im September 2006 in Madrid erstmals nicht auf den Laufsteg. Damit konnte jedoch der Tod des brasilianischen Mannequins Ana Carolina Reston am 14. November 2006 nicht verhindert werden. Die 1,74 Meter große Einundzwanzigjährige wog zuletzt 40 Kilogramm. Im Februar 2007 starb das achtzehnjährige Model Eliana Ramos aus Uruguay an Magersucht. Ihre vier Jahre ältere, ebenfalls magersüchtige Schwester war ein halbes Jahr zuvor bei einer Modenschau in Montevideo tot zusammengebrochen.

Die siebenundzwanzigjährige, an Anorexie leidende französische Schauspielerin Isabelle Caro, die bei 1.64 m Körpergröße zeitweilig nur noch 25 kg gewogen haben soll, ließ sich 2007 von Oliviero Toscani für eine Plakataktion unter dem Motto "No. Anorexia" nackt fotografieren. Nach ein paar Wochen wurde die Aktion jedoch von der italienischen Werbe-Aufsichtsbehörde IAP verboten. Isabelle Caro starb im November 2010...


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